18. December 2018 ...auf gesundheitlicher Mission.
Aktualisiert am: 19. November 2018 * Lesezeit: ~ 8 Min.

Homöopathische Mittel = pflanzlich? – Die Unterschiede

Immer mehr Menschen versuchen bei einer Erkrankung auf pflanzliche Medikamente zu setzen, statt den üblichen Chemie-Cocktail zu schlucken. Der Hausarzt oder auch viele Heilpraktiker verschreiben dann bevorzugt homöopathische Medikamente. Doch sind die wirklich rein pflanzlich, wie die (TV-) Werbung oft suggeriert? Dem möchte ich einmal auf dem Grund gehen.


Inhalt

  1. Fakten zur Homöopathie in Deutschland
  2. Was steht hinter der Homöopathie?
  3. Potenzen der homöopathischen Mittel
  4. Studien zur Homöopathie
  5. Beispiele aus der Praxis
  6. Achtung (trockene) Alkoholiker und Diabetiker
  7. Besser Natur pur

Homöopathie auf dem Prüfstand

Für die meisten Menschen sind homöopathische Medikamente das gleiche wie rein pflanzliche. Viele Jahrzehnte glaube ich, dass mir die verschriebenen homöopathischen Mittel genau so gut helfen wie pflanzliche, und das es da kaum einen Unterschied gibt – abgesehen vom Alkohol. Doch da liegt der entscheidende Unterschied bereits begraben. Erst eine gute Freundin hat mich zum Nachdenken gebracht. Und so machte ich mich auf die Suche nach Unterschieden und dem Ursprung.

Auch wenn für den meisten Menschen kein echter Unterschied besteht, so ist er doch gravierend. In der Homöopathie werden zwar auch Pflanzen verarbeitet, doch so weit verdünnt, dass von der Pflanze fast nichts mehr übrig ist. Hier könnte man nun schon einen Betrug widern, doch das ist nicht so. In der Homöopathie geht man davon aus, um so mehr ein Medikament immer und immer wieder verdünnt wird, um so besser ist die Wirkung. Verdünnt wird meist mit Alkohol, teilweise doch schon sehr hochprozentig. Den Grad der Verdünnung nennt man auch Potenz. Manche Arzneimittel sind so in verschiedenen Potenzen wie D6 oder D12 erhältlich. Doch dazu später genaueres.

Fakten zur Homöopathie in Deutschland

  • im Jahr 2016 wurden 622 Millionen Euro¹ für homöopathische Mittel ausgegeben (+ 22,4% zum Vj.)
  • wie bereits erwähnt, glauben die meisten, dass es sich hier um Naturheilmittel oder Kräuterheilkunde handelt
  • Homöopathie hat längst den Einzug in die Schuldmedizin durch Zusatzweiterbildungen gefunden

Samuel Hahnemann

Wer hat´s „erfunden“? Nein, es waren nicht die Schweizer. Es war Samuel Hahnemann, der am 10.04.1755 in Meißen geboren wurde. Er war Arzt, medizinischer Schriftsteller und eben der Begründer der Homöopathie. Er studierte in Leipzig, Wien und Erlangen, war 48 Jahre in seiner ersten Ehe verheiratet aus der 11 Kinder hervor gingen, und ein zweites Mal 8 Jahre mit einem Altersunterschied von beachtlichen 45 Jahren. Er soll ein „schwieriger Zeitgenosse“ gewesen sein, was ihn zu sehr vielen Ortswechseln in seinem Leben gebracht hat. Verstorben ist er schlussendlich am 02.07.1843 in Paris.

Was steht hinter der Homöopathie?

Um zu verstehen wo der Unterschied zur Naturheilkunde ist, muss man schauen wo der Ursprung der Homöopathie ist. Um den Ursprung wiederum zu verstehen, muss man Wissen, dass Samuel Hahnemann der okkulten Welt sehr nahe gestanden haben muss. Zumindest sieht man hier deutliche Einzüge des Spiritismus. Er glaubte, dass Problem der Krankheiten liegt nicht in der Materie. Er war der Meinung, Krankheiten muss man auf anderen Ebenen begegnen, bzw. bekämpfen. Und so glaubte er, dass man ein Molekül so lange verdünnen muss, bis es sich von der Substanz löst (dematerialisiert). Um so mehr man verdünnt, um so mehr potenziert die Wirkungskraft. Die losgelöste Kraft soll dann der Krankheit begegnen und sie heilen. Und so haben wir heute Potenzen von D1 bis D78. Interessant ist auch, dass Hersteller die an ihr Produkt glauben, sogenannte Schüttler einstellen, die die Mixtur schüttelt. Das kann keine Maschine. Maschinen die das übernehmen können, müssen ganz bestimmte Kriterien entsprechen.

Potenzen der homöopathischen Mittel

  1. D1 – Verdünnung 1: 10 – das entspricht einen Tropfen auf einer Erbse.
  2. D2 – Verdünnung 1: 100 – das entspricht einen Tropfen auf einen halben Esslöffel
  3. D3 – Verdünnung 1: 1.000 – das entspricht einen Tropfen auf 2 ½ Schnapsgläser
  4. D6 – Verdünnung 1: 1 Million – das entspricht einen Tropfen auf den Inhalt einer kleinen Mülltonne
  5. D9 – Verdünnung 1: 1 Milliarde – das entspricht einen Tropfen auf 2 kleine Tank-Wagons (Kesselwagen)
  6. D12 – Verdünnung 1: 1 Billion – das entspricht einen Tropfen auf 25 olympische Schwimmbecken (25×50 Meter)
  7. D20 – Verdünnung 1: 100 Trillionen – das entspricht einen Tropfen auf den Michigansee, USA (58.016 km² Fläche)
  8. D23 – Verdünnung 1: 100 Trilliarden – das entspricht einen Tropfen auf dem Mittelmeer (2.510.000 km² Fläche)
  9. D30 – Verdünnung 1: 1 Quintillion – das entspricht einen Tropfen auf 50 mal dem Volumen der Erde…
  10. D78 – Verdünnung 1: 1 Tredezillion – das entspricht einen Tropfen auf ??? (kein Vergleich möglich)

Zum Verständnis, D78 hätte also 78 Nullen nach der Eins! Nach der Theorie die dahinter steht, ist D12 mehr Wert als D1. Die simple Rechnung dahinter ist also 1% Kraut auf 99% Verdünnung (i.d.R. Alkohol) = 100% Wirkung.

Studien zur Homöopathie

Homöopathie auf dem PrüfstandNachdem wir uns den Hintergrund angesehen haben, stellt sich natürlich die Fragen, wo die Wirkung nun her kommen soll. Nach meinen Verständnis: wenn ich eine Substanz so lange verdünn bis sie eigentlich nicht mehr nachgewiesen werden kann, wie soll diese dann wirken? Anderseits berichten Millionen davon, dass jene Medikamente geholfen haben. Und auch ich hatte Zeiten, als ich entsprechende Magen-Darm-Tropfen eingenommen habe und diese auch wirkten. Die Apothekerin sagte damals nur, dass ich das Mittel über einer längern Zeit nehmen soll, damit es auch wirken kann. Woher also die Wirkung, wenn da i.d.R. eigentlich nichts mehr nachweisbar ist? 

Es gibt nachweisliche Berichte von Ärzten und auch Studien, die Patienten ohne deren Wissen ein Plazebo-Medikament verabreicht haben, und die Patienten gesund wurden. Wenn man von der Wirkung eines bestimmten Mittels überzeugt ist, glaubt man daran. Und so wurden in hochrangigen Journalen wie dem „Lancet“ Studien veröffentlicht, die genau das nachgewiesen haben. Hier wurden qualitativ hochwertige Studien untersucht, ob es sich um Plazebo-Effekte handelt.

  • Studie, veröffentlicht am 27.08.2005 in „The Lancet“: „Are the clinical effects of homoeopathy placebo effects? Comparative study of placebo-controlled trials of homoeopathy and allopathy“ (Sind die klinischen Auswirkungen der Homöopathie Placeboeffekte? Vergleichende Studie zu placebokontrollierten Studien mit Homöopathie und Allopathie) > Link zur PDF-Datei
  • Studie, veröffentlicht am 19.04.2010 in „MJA“: „Homeopathy: what does the “best” evidence tell us?“ (Homöopathie: Was sagt uns der „beste“ Beweis? Bewertung der Beweise für und gegen die Wirksamkeit der Homöopathie.) > Link zur Studie

Resultat: Beide Auswertungen kommen zu dem Schluss, dass es sich i.d.R. um Plazebo-Effekte gehandelt hat.

Hinweis: Homöopathie verkauft sich sehr gut. Nicht alle Hersteller müssen sich deshalb auch wirklich an den Vorgängen der gezeigten Herstellung und Vorgehensweise richten. Schon wenn eine starke Wirkung „etwas“ verdünnt wird, kann es unter dem Label „Homöopathie“ verkauft werden.

Beispiele aus der Praxis

Im letzten Abschnitt möchte ich 3 praktische Beispiele zeigen, ohne auf Medikamenten-Namen einzugehen.

1 – Ein homöopathisches Mittel von Bayer gegen Magenschmerzen, Magen-Darm-Krämpfe, Völlegefühl, Übelkeit und Sodbrennen.

Inhalt (Auszug)

  • Angelikawurzel 1:2,5-3,5
  • Kamillenblüten 1:2-4
  • Mariendistelfrüchte 1:2,5-3,5
  • ….
  • Auszugsmittel für Arzeidrogen: Ethanol 30% (V/V)
  • Das Arzeimittel enthält 31% Alkohol

2 – Verdauungstropfen von Klinge

Inhalt

  • 18,55g Auszug (1:4,7-5,3) aus 3,71g einer Mischung von Angelikawurzeln, Benediktenkraut und Pfefferminzblätter (1:3,3:3,3)
  • Auszugsmittel: Ethanol 60% (V/V)
  • Das Arzeimittel enthält 58% Alkohol

3 – Beim dritten Beispiel wird es mir wohl kaum gelingen, dass Mittel der Firma DHU „anonym“ darzustellen. Zu beliebt ist es und zu verräterisch die wenigen Zutaten 😉 . Das Mittel soll gegen Völlegefühl, Unwohlsein, Magen-Darm u.ä. helfen und ist in verschieden Potenzen erhältlich. 

Inhalt

  • Brechnussbaum-Samen (auch Krähenaugenbaum oder Strychninbaum genannt) 0,1g / D12 (wir erinnern uns, D12 heißt 1:1.000.000.000.000 (Billion))
  • Sucrose (Saccharose / Haushaltszucker)
  • Kein Alkohol

Interessant war hier, dass im Beipackzettel keine Anwendungsgebiete stehen. Das Produkt spricht für sich, so scheint es. Es wird auch extra erwähnt, dass „…besonders Wert legen wir auf die Handverschüttelung bei der Potenzierung unserer Arzeimittel“.

Dies waren drei von unzähligen homöopathischen Mitteln. Nicht alle müssen zwangsläufig schlecht sein und nicht alle fallen unter den Plazebos. Bei den Recherchen generell zum Plazebo-Effekt musste ich übrigens auch lesen, dass den selbst Tiere haben können – wie auch immer das geht.

Achtung (trockene) Alkoholiker und Diabetiker

Ein Arzt oder Apotheker sollte den Patienten immer fragen, ob er oder sie einen trockenen Alkoholiker vor sich hat. Jeder Tropfen kann einen gar tödlichen Rückschlag mit sich bringen. Gleiches gilt zumindest beim letzten Beispiel für Diabetiker, auch wenn es da nicht katastrophal enden kann. Doch gibt es viele unwissende Diabetiker, die bei Völlegefühl das Arzeimittel einnehmen und so ihren Zuckerspiegel unbewusst abheben können.

Besser Natur pur

Die Natur liefert tatsächlich für jedes Leiden das passende Kraut. Nur kann die Pharma daraus keine Pillen machen, da man keine Lizenz auf Pflanzen erhält. Und so bleiben viele Mittel unbekannt. In meinen anderen Beiträgen werde ich so auf wirkungsvolle, rein pflanzliche Mittel eingehen. Dies für einer wirkungsvollen Prävention aber auch für akute Fälle.

Quellen
¹ https://www.bah-bonn.de/bah/?type=565&file=redakteur_filesystem/public/BAH_Zahlenbroschuere_2016_web.pdf
Studien-Link direkt bei der jeweiligen Studie!
Bild: Samuel Hahnemann 1831. Stahlstich nach einem Gemälde von Julius Schoppe

HINWEIS

Beiträge werden stehts aktualisiert, wenn es neue Erkenntnisse durch Studien oder (Nach-) Forschungen gibt.

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